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23.11.2012 Seminar "Energiewende - eine historische Change für den ländlichen Raum"

06.12.2012

Info-Veranstaltung „Energiewende– eine historische Chance für den ländlichen Raum“

Bericht: Markus Müller

Grabenstätt. Als „Herkulesaufgabe für die Bundesregierung“ und „Riesenchance für Städte und Kommunen“ bezeichnete Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern die Energiewende in seinem Vortrag in der Schlossökonomie. Für die großen Energiekonzerne könne sich deren ernsthafte Umsetzung aber „zu einer echten Bedrohung“ entwickeln. In der Windkraft sieht Ruckdeschel die größten Potentiale.

„Die Öffentlichkeit fordert von uns, dass wir uns der Energiewende mit all ihren Möglichkeiten und Schwierigkeiten annehmen“, erklärte der Kreisvorsitzende der Freien Wähler und hiesige Gemeinderat Andreas Danzer zu Beginn der Info-Veranstaltung „Energiewende– eine historische Chance für den ländlichen Raum“, die vom Bildungswerk für Kommunalpolitik Bayern veranstaltet wurde. Referent Markus Ruckdeschel warf eingangs die provokante Frage in den Raum, ob die von der Politik in Angriff genommene Energiewende zu teuer sei oder einfach nur besser gemanagt gehöre und gut 95 Prozent der Gäste entschieden sich spontan für die zweite Antwortmöglichkeit. 2011 habe noch eine unglaubliche Euphorie geherrscht, alle hätten nach der verheerenden Nuklear-Katastrophe von Fukushima gesagt, „die Atomkraft hat ausgedient, die Energiewende muss sein“, betonte Ruckdeschel und lobte wie schnell sie in Deutschland angepackt worden ist. Mittlerweile gebe es jedoch Anzeichen eines Stimmungswechsels und kritische Töne würden lauter. Dies sei nicht wirklich nachzuvollziehen, denn die Umsetzung der Energiewende koste zwar Geld und setze die Bereitschaft zum Sparen voraus, doch die Vorteile wie „Klimaschutz“, „Unabhängigkeit von Importen und fossilen Preisexplosionen“, „Verbleib der Wertschöpfung vor Ort“ sowie „umweltschonende und bezahlbare Energieversorgung“ würden überwiegen. Vor allem auf kommunaler Ebene habe man mit Blick auf die Energiewende „alle Optionen in der Hand“, so Ruckdeschel. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bezeichnete er als „eines der wichtigsten Strukturprogramme für den ländlichen Raum“. Im Landkreis Traunstein sei der Strom 2011 zu 66 Prozent von fossilen Energieträgern gekommen, zu 16 Prozent aus Biomasse, zu zehn Prozent aus Solarstrom und zu acht Prozent aus Wasserkraft. Windkraft spiele im Chiemgau noch keine große Rolle, doch ohne sie sei die Energiewende nicht zu schaffen, denn „das Biomassepotential ist endlich und der Ausbau der Wasserkraft nicht unbegrenzt möglich“, betonte Ruckdeschel, der ein Verfechter eines „richtigen Energiemixes vor Ort“ ist. Schon ein einziges Windrad der Leistungsklasse 2 MW könne an einem durchschnittlichen Standort 2,5 bis 3,5 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen und decke damit den Strombedarf von 700 bis 1000 Haushalten ab. „Dann würden ja zwei solcher Windräder in Verbund mit Photovoltaik für Grabenstätt ausreichen“, stellte Gemeinderat Danzer verblüfft fest. Ruckdeschel ist sich zwar mit Bundesumweltminister Peter Altmaier einig, dass die Energie auch bezahlbar bleiben müsse, doch die Strompreise seien in den letzten zwölf Jahren unabhängig von der EEG-Umlage gestiegen. Das liege vor allem daran, dass „wir immer noch zu stark an fossilen Energien hängen, die endlich sind und zum Luxusgut werden“, mahnte Ruckdeschel und verwies darauf, dass der Preis für das Barrel Rohöl (Brent) seit 2001 von unter 25 auf weit über 100 US-Dollar gestiegen sei. Für ihn ist klar, dass der Umstieg auf regenerative Energien auf Dauer sogar günstiger sei. „Die Energiewende jetzt abzublasen, würde den Strom nicht billiger machen“, konstatierte Ruckdeschel und erinnerte an die bisherigen Erfolge beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Im ersten Halbjahr dieses Jahres habe ihr Anteil am deutschlandweiten Energieverbrauch beim Strom schon 25 Prozent betragen. Vor zehn Jahren, als man bei acht Prozent lag, „hat das keiner geglaubt“, so Ruckdeschel. Bei der Brutto-Stromerzeugung habe der Anteil der erneuerbaren Energien 2011 in Deutschland 20 Prozent betragen, davon acht Prozent Wind, fünf Prozent Biomasse, jeweils drei Prozent Wasser und Photovoltaik sowie ein Prozent Siedlungsabfälle. Die ganze Welt schaue, wie Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie meistere. „Wenn wir es schaffen, sind wir die Könige, ansonsten die Deppen“, prophezeite der aus Franken angereiste Referent. Ihm sei es wichtig, dass die Bürger die Energiewende „nicht nur tolerieren, sondern auch aktiv mitgestalten“, denn nur dann könne sie flächendeckend gelingen. Deren Umsetzung beginne mit dem Energie(ein)sparen. Eine moderne Wärmedämmung sei von Vorteil, denn die Heizung verbrauche im eigenen Privathaushalt mit 78 Prozent mit Abstand am meisten Energie. mmü

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